Buenos días niña de Tilcara,
estoy hace solo dos días aquí,
estaba por irme a Humahuaca
y sin querer te ví…
Buenas tardes niña de Tilcara,
esto es algo que no puedo creer,
con los pies en el río,
frente a la Quebrada, vos cerca mío,
el sol está justo y el mate también…

Guten Morgen, Mädchen aus Tilcara,
ich bin erst seit zwei Tagen hier,
ich war auf dem Weg nach Humahuaca
und zufällig sah ich dich…
Guten Abend, Mädchen aus Tilcara,
ich kann es nicht glauben,
mit den Füßen im Fluss,
vor mir die Quebrada, du bei mir,
die Sonne ist genau richtig und der Mate auch…
[aus: "Niña de Tilcara" von den Intoxicados]
Tilcara, so wie wir es im Mai außerhalb der Hochsaison erlebten, ist ein verschlafenes Städtchen mit etwa 5600 Einwohnern auf 2500 Metern Höhe inmitten von Bergen. Während der Hochsaison machen hier täglich Hunderte von Touristen auf ihrer Reise durch die Quebrada de Humahuaca Station. Meist bleiben sie nur kurz. Um die Mittagszeit fallen sie reisebusweise in die nahe des Ortseingangs angesiedelten Restaurants und Souvenirshops ein, dann geht es im klimatisierten Doppeldecker weiter Richtung Norden.
Tilcaras gemütliche Einfachheit hat uns fasziniert. Die Sträßchen, die sich nach argentinischer Manier schnurstracks und symmetrisch durch den Ort ziehen, sind vorwiegend aus Sand und Staub und Steinen. Die Hauptstraße, die vom Ortseingang ins Stadtzentrum führt, wurde zum Zeitpunkt unseres Besuches gerade gepflastert. Hier putzt sich das staubige Nest für die durchreisenden Souvenirjäger heraus. Moderne Shops stellen in eleganten Glasvitrinen silberbeschlagene Matebecher und anderes regionales High-End-Kunsthandwerk zu dementsprechend anspruchsvollen Preisen aus. Kulinarisch kann man zwischen einem rustikalen Restaurant im „Ethno-Outfit“ und einer zeitgemäßen Pizza-Bar wählen. Entfernt man sich etwas von dieser Möchte-Gern-Touristen-Meile und folgt der gepflasterten Hauptstraße bergauf Richtung Zentrum, so gelangt man zum Marktplatz der Stadt. Hier werden täglich regionale Produkte, vor allem Artesanía aus bunten Stoffen, Lama-Wolle und Kakteenholz feilgeboten. Rund um den Platz sind weitere Restaurants angesiedelt, in denen regionale Küche zubereitet wird: Locro norteño, Tamales, Humitas, Empanadas aus Mais-Mehl mit Quinoa-Füllung, Lama-Fleisch, Ziegenkäse… Die Küche hier bereitete uns jede Menge neue Geschmackserlebnisse. Während man in Buenos Aires auch als Europäer mit Pizza, Pasta, Steak und Co. selten etwas auf den Tisch bekommt, das überrascht, so eröffnete sich uns hier, ganz im Norden Argentiniens, der ungekannte kulinarische Horizont der andinen Küche mit ihrer jahrtausendealten Tradition.

An unserem ersten Morgen in Tilcara machten wir einen Bummel durch die staubigen Straßen Tilcaras. Bescheidene Häuschen, am Wegesrand in der Sonne dösende Hunde, ab und an ein klappriges Auto, sonst kaum Menschen und drumherum das atemberaubende Anden-Panorama. Eine für uns unfassbare Stille und Idylle. Lebt man nur lang genug in Buenos Aires, so gewöhnt man sich auch als Karlshorster nach einer Weile wohl oder übel an den immer gleichen Geräuschpegel, der tags und nachts herrscht. Irgendwann merkt man nicht mehr, wie sehr dieser Lärm eigentlich an den Nerven zerrt und einen nie wirklich zur Ruhe kommen lässt. Hier, in Tilcara, im herrlichen, staubigen Nirgendwo in den Anden, schlackerten uns plötzlich die Ohren – vor lauter Stille.

Am selben Tag noch machten wir einen ausgiebigen Spaziergang hinaus aus der Stadt zu einer winzigen Lagune, die uns wesentlich beeindruckender beschrieben worden war, als jenes Tümpelchen, das wir vorfanden. Das ließ uns zwar zweifeln, ob wir unser Ausflugsziel überhaupt erreicht hatten, doch befanden wir das Ufer des braunen Pfützchen für ausreichend gemütlich, um die wohlverdiente Mate-Pause abzuhalten. Auch hier, umgeben von Bergen, Sand, Wiesen und Wind, fühlten wir, wie die Stille wie Balsam auf unsere Großstädter-Verspannungen in Kopf, Nacken, Herz und Magen wirkte.



In den folgenden Tagen unternahmen wir verschiedene Ausflüge zu Sehenswertem rund um Tilcara…
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Castellano für Anfänger, Lektion 5
[spa.] mate (el) – [dt.] Mate (der)
Wenn man die Argentinier verstehen will, dann muss man Mate trinken. Mate ist nicht nur eine Tradition, Mate ist eine Lebenseinstellung, eine Philosophie. Mate ist Argentinien und Argentinien ist Mate. Mate trinken geht so:
Man nehme…
- mindestens zwei Personen (eine davon sollte Argentinier/in sein, sonst ist es albern),
- einen gemütlichen Moment
- einen Mate-Becher (oder einfach nur un mate, wie der Argentinier sagt, wahlweise aus Zierkürbis, Holz oder Palo Santo),
- eine Bombilla (ein Strohhalm, meist aus Metall, mit einem kleinen Sieb am unteren Ende)
- Yerba Mate (der Tee)
- 70 bis 80° C heißes Wasser
- ggf. ein wenig Zucker
Das Yerba wird in den Mate gefüllt, die Bombilla in den Mate gesteckt und dann das Wasser langsam in das Yerba gegossen. Nach Wunsch kann auch etwas Zucker hinzugegeben werden. Dann wird der erste Mate mithilfe der Bombilla getrunken. Nun wird erneut Wasser aufgegossen und der Mate an die nächste Person weitergereicht. Achtung: es gibt immer einen Mate-Verantwortlichen. Der Mate wird zum Trinken reihum gegeben, das Auffüllen übernimmt aber immer der Verantwortliche. Das geht solange, bis das Yerba ausgewaschen ist und daher ausgewechselt werden muss.
Mate-Trinken gehört für die Argentinier genauso zum ganz normalen Alltag wie für uns das Kaffee-Trinken. So wie man sich bei uns auf einen Kaffee trifft, so verabredet man sich in Argentinien auf einen Mate. Der echte Argentinier mag seinen Mate schön bitter, ohne Zucker, ohne Schnickschnack. Trotzdem können abgesehen vom Zucker auch ein wenig Kaffeepulver, getrocknete Orangenschalen oder Kräuter hinzugegeben werden. Im Sommer ist auch die nordargentinische Variante des Mate, der Tereré sehr beliebt. Hier wird anstelle des heißen Wassers beispielsweise eiskalte Zitronenlimonade (ohne Kohlensäure) verwendet, am besten mit zwei zusätzlichen Eiswürfeln im Becher. Gegen die unerträglichen Sommer-Temperaturen ist dies die beste Medizin, da man sofort innerlich abkühlt (etwa so: zzischhhhh).
Die meisten Europäer, die sich im Mate-Trinken versuchen, sind nicht sofort begeistert. Typisch ist das durch die Bitterkeit des Getränks ausgelöste Naserümpfen. Da hilft nur viel Üben und viel Zucker. Nach über einem Jahr unter Argentiniern kann ich das bittere Naserümpfen noch immer nicht unterdrücken (siehe Foto). Trotzdem trinke ich Mate, nicht aus Überzeugung, sondern vielmehr aus Gruppenzwang und weil meinem argentinischen Schwiegerpapa die Tränen in den Augen stehen, wenn seine deutsche Schwiegertochter mit ihm Mate trinkt.

Schlagworte: castellano für anfänger, jujuy, mate, nordargentinien, quebrada de humahuaca, tilcara
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